Schriftliche Arbeiten
alea mimicry mythos
Rollenspiele (RPGs) als Phänomen zwischen Spiel und szenischem Vorgang.
Meine Lizarbeit, eingereicht am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern.
Haben Sie schon einmal ein Rollenspiel gespielt? Nein, nicht was Sie jetzt denken – und ich kann mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass Sie jetzt eben nicht an das selbe denken wie ich. Alles, was wir hier brauchen, ist Papier, Bleistift, Würfel und einen ganzen Haufen Fantasie.
Zwar gibt es inzwischen erstaunlich viele Rollenspielerinnen und -spieler, nicht zuletzt auch, weil Rollenspiele inzwischen zu einem Teil der Kultur geworden sind. Doch echtes Wissen darüber ist rar. Entweder, man weiss was es ist und hat auch schon mal gespielt, oder man kann mit dem Begriff gar nichts anfangen – und das, obwohl um die Rollenspiele eine regelrechte Subkultur gewachsen ist, die wiederum Auswirkungen auf die sie umgebende Kultur gehabt hat. Der Erfolg der Verfilmung von Tolkiens Der Herr der Ringe, der Siegeszug von World of Warcraft, das Weiterleben von Star Wars: das sind Anzeichen, dass hier eine Faszination für Fantasy und Science-Fiction entstanden ist – und zwar fast unbemerkt von der vorherrschenden Leitkultur. Rollenspieler bilden eine praktisch unsichtbare Subkultur, weil sie keine Vereinslokale brauchen, keine Plätze zum Demonstrieren, keine Trainingsorte; sie verziehen sich in ihr Wohnzimmer und spielen dort. Ganz unauffällig und leise.
"Geht der Hanswurst herum"
Theaterphänomene jenseits des «eingebürgerten Theaters» in Johann Christian Brandes Autobiographie
Seminararbeit in Theatergeschichte, eingereicht an der Universität Bern 2004.
Johann Christian Brandes Autobiographie stellt ein sehr ausführliches Werk dar, das streiflichtartig und im Verbund mit weiteren Quellen eine Vorstellung des Lebens eines Schauspielers im 18. Jahrhundert geben kann. Mit einem Umfang von fast 900 Seiten ist das Werk äusserst umfangreich und deckt Brandes Leben von seiner Geburt bis fast zu seinem Tod ab. Auch wenn das Werk eine Fülle an Informationen aufzuweisen scheint, so gilt es doch, vorsichtig damit umzugehen. Eine Autobiografie ist nicht eine lückenlose Chronik, sondern vielmehr eine Ansammlung von für den Autor bemerkenswerten Ereignissen – selbst wenn es, wie hier bei Brandes, anscheinend massenhaft solcher Ereignisse gibt.
Die Arbeit versucht, verschiedene Theaterphänomene näher zu untersuchen, die nicht zu Brandes' angestammtem Gebiet gehören: Wanderärzte, Hanswurste, Selbstinszenierung im Alltag.
Any Ad Tastes Supreme with ...
Dieses Essay ist die schriftliche und erweiterte Fassung eines Referats, das ich im Rahmen eines Kolloquiums im Sommersemester 2004 an der Uni Bern zum Thema «Provokative Werbung» gehalten habe. Ausgehend von einem Artikel von Michael Jäckel und Jan D. Reinhardt versuche ich darzulegen, dass provokative Werbung nicht durch einen Bruch moralischer Regeln allein geschehen kann – sondern prinzipiell immer stattfindet, wenn der Bezugsrahmen des Betrachters gesprengt wird.
Das folgende Essay ist die schriftliche und erweiterte Fassung eines Referats, das ich im Rahmen eines Kolloquiums im Sommersemester 2004 an der Uni Bern zum Thema «Provokative Werbung» gehalten habe. Ausgehend von einem Artikel1 von Michael Jäckel und Jan D. Reinhardt versuche ich darzulegen, dass provokative Werbung nicht durch einen Bruch moralischer Regeln allein geschehen kann – sondern prinzipiell immer stattfindet, wenn der Bezugsrahmen des Betrachters gesprengt wird.
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Jäckel, Michael; Reinhardt, Jan D. (2003): Aufmerksamkeitsspiele: Anmerkungn zu provokanter Werbung. In: Willems, Herbert (Hrsg.) (2003): Die Gesellschaft der Werbung. Kontexte und Texte. Produktionen und Rezeptionen. Entwicklungen und Perspektiven. Wiesbaden ↩
Abschied von der Hierarchie?
Hypertextsysteme unter der Lupe
Seminararbeit zum Hauptseminar "Medientextstorten" von Prof. Dr. Dr. E.W.B. Hess-Lüttich im Wintersemester 2003/2004 an der Universität Bern.
Hypertext ist sexy. Hypertext ist zu einem Lebensgefühl, einem «Lifestyle» geworden. Es gibt heute kaum ein Programm auf dem Markt, das nicht eine rudimentäre Möglichkeit anbietet, Medien aller Arten, ob sinnvoll oder nicht, miteinander zu verknüpfen. Dabei wird das WorldWideWeb als Mittelpunkt und einzige Realisation von Hypertext angesehen. Vergessen wird dabei, dass es Hypertext-Konzepte zuvor gab, die sich teilweise erheblich vom heutigen WWW unterschieden.
Eines dieser Konzepte – Xanadu, wahrscheinlich das kontroverseste – möchte ich in dieser Arbeit mit dem WWW vergleichen. Wie wir im letzten Teil sehen werden, unterscheiden sich die beiden Systeme fundamental in ihrer Ausrichtung, ihrer Benutzung und ihren Zielen. Die benutzten Werkzeuge beeinflussen immer das Endprodukt, deshalb wird es in der Arbeit darum gehen, wie man in den beiden System Daten publizieren und lesen kann. Zudem soll erklärt werden, wie die Daten angeordnet und abgerufen werden können. Zuletzt soll ein Ausblick zeigen, wie wir womöglich in der Zukunft mit grossen Informationsmengen und Hypertext arbeiten werden. Zudem möchte ich zeigen, dass der so oft proklamierte Abschied von der Hierarchie weder möglich noch wirklich sinnvoll ist.
BlogKultur
Unabhängige und Medienblogs über Kultur im Vergleich
Facharbeit in Medienwissenschaft an der Universität Bern, 2008. Ein Vergleich von unabhängigen Kulturblogs und solchen, die mit einem Massenmedium in Verbindung stehen.
Blocher tun genau das, wofür die weniger Modernen unter uns noch Füllfeder und Papier brauchen: Sie schreiben ein Tagebuch. Nur machen sie das im Internet und nennen es Blogging statt «Tagebuch schreiben». Das Wort Blog ist eine Kurzform von Weblog, was nichts anderes bedeutet als Online-Tagebuch. Richtige Blogger schreiben fast täglich in ihr Internet-Tagebuch. Sie halten darin ihre Gedanken, Erkenntnisse und Erlebnisse fest. Überall auf der Welt.
So erklärt der Blick seinen Leserinnen und Leser die Blogs, in einem Artikel, in dem sich der Blick äusserst erstaunt und empört darüber zeigt, dass «Aeschbi» allem Anschein nach Elton John nicht gut findet – und in seinem Blog dies auch öffentlich macht. Blogs sind laut Blick Tagebücher in Internet. Die Konsequenz aus dieser Definition lässt der Autor jedoch ungeschrieben. Denn jeder, der mit Tagebüchern vertraut ist, wird sich wundern: sind denn Tagebücher nicht etwas privates? Und wenn sie auf dem Internet sind, dann kann sie doch jeder lesen? Wie soll das zusammen Sinn machen? […]
Die Frage, ob die Medienblogs wirklich bloss zu spät gekommene Nachahmer eines Hypes sind, steht im Zentrum dieser Arbeit. Anhand von Blogs, die sich alle um das Thema «Kultur» drehen, sollen unabhängige und Medienblogs mit einander verglichen werden. Über welche Themen wird geschrieben, wie wird darüber geschrieben, wie oft, welche Reaktionen werden generiert – dies alles verglichen mit Blogs, die unabhängig von einem grossen Medium agieren, soll einen Einblick geben in die möglichen Unterschiede.
Borderlines
Die vielen Gesichter des Internets
Seminararbeit im Rahmen des Seminars "Die Fabrikation des Populären. Cultural Studies und die Erforschung der Alltagskultur" bei Prof. Dr. Rainer Winter an der Universität Bern, 2005.
«Das Internet lässt sämtliche Grenzen verschwinden!» Wer wie Barwell und Bowles in ihrem Aufsatz «Border Crossings – The Internet and the Dislocations of Cititizenship» (Barwell und Bowles, 2003) diese Erkenntnis heute noch vorbringen will, kann nicht mehr als ein müdes Lächeln erwarten – wurde dieser Satz doch lange genug von Lobbyisten, Werbung und Wissenschaft zuerst breit-, und dann totgetreten. Ganz unrecht hat niemand, wenn er vom Verschwinden der Landesgrenzen im Internet spricht – doch ist es nur die halbe Wahrheit: das Gegenteil kann genauso gut propagiert und belegt werden. Selbst das Argument, das Internet sei Ausdruck einer subkulturellen Bewegung, stimmt in dieser Absolutheit kaum. Das Internet ist zum Abbild einer komplexen Realität geworden, die sich kaum mehr in diese einfachen Begriffe fassen lässt.
Was verrückt klingen mag, ist im Internet Realität – und macht es möglicherweise gerade deshalb interessant.
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